Montag, 21. November 2011

Ankunft in London

Bisher sieht es gut aus. Nach Thor, Planet der Affen, Capitan America, diversen Serien, 12 Levels Caveman und unzähligen Partien Space Invasion (mein Handgelenk schmerzt, aber mein kleiner chinesischer Sitznachbar war beeindruckt - nur in Multiplayer-Tetris war er besser), liegt der Flug von Shanghai jetzt hinter uns und vor uns die Flugzeugmegalopolis Heathrow (gedankt sei Kone und Krupp für die Rolltreppendinger ohne Treppe drin - Gangbeschleuniger?).

Sonntag, 20. November 2011

Am Flughafen

41. Tag

Nachdem der Kater einigermaßen gezähmt war, wollten wir heute mal richtig was offiziell kulturelles erleben und den China Pavillon der Expo besuchen. Am Gelände angekommen wogte schon die Menge um uns (nicht um uns persönlich und eigentlich wogte die Masse nicht - sie quetschte sich). Vorbei an den Kamerapfeilern (die es in der ganzen Stadt gibt. Es ist praktisch kein Zentimeter von Shanghai ungefilmt - wenn er nicht durch einen Schutzmann bewacht ist. Oder beides) freuten wir uns schon, da niemand in der Schlange stand und es sich daher um eine überschaubare Wartezeit handeln musste. Dass es für die Leere eventuell noch eine zweite - unter Umständen vielleicht sogar wahrscheinlichere - Erklärung geben könnte, kam für uns nicht in Betracht. Als dann aber tatsächlich keiner im Kassenhäuschen saß, wurde uns klar, dass wir den Pavillon heute nur von außen sehen würden.

So verbummelten wir den Tag - der letzte Tag vor dem Abflug. Die Reise geht heute zu Ende. Erst jetzt merkt man, wie lang die Strecke ist, die man zurückgelegt hat. Indien scheint schon ein ganzes Stück weit weg und an die Stäbchen beim Essen haben wir uns gerade erst gewöhnt.

Jetzt heißt es packen und Abschied nehmen - nach nunmehr anderthalb Monaten Rumtreiberei.

Vieles werden wir in Erinnerung behalten und vieles wird auch vergessen werden. Aber im Moment freuen wir uns auf die Heimat (und ich persönlich auf Graubrot mit Käse) und auf ein Wiedersehen mit euch. Bis dahin alles Gute - Eva und Julian

40. Tag

Auch wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen, aber auch der heutige Eintrag dreht sich vor allem um eins: das Essen. Tatsächlich ist es hier günstiger, Essen zu gehen, als selber zu kochen.

Nachdem wir zunächst meinen auf den Leib geschneiderten Mantel abgeholt hatten (vorausschauend wie die Chinesen sind, hatten sie an den entscheidenden Stellen noch ein wenig Luft gelassen), konnte es losgehen. Wir setzten uns also in die Metro und fuhren zum Japaner (in China. Der zudem nur von Chinesen betrieben wurde. Aber gut, man soll hier ja nicht alles auf die Goldwaage legen). Tepanjaki - kein einzelnes Gericht, sondern ein all-you-can-eat-and-drink stand auf dem Speiseplan. Vom marinierten Rinderfilet über Sushi bis zur flambierten Banane (von der Größe der Flamme hätte es auch ein flambiertes Gnu sein können) war alles dabei. Auch dabei war aber dann noch chinesisches Bier, chinesischer spanischer Wein (er schmeckte in der Tat so, wie er sich anhört) und Sake. Ich weiß also nicht mehr genau, ob der unruhige Magen nun durch die mit Käse überbackene Muschel oder den lauwarmen Reisschnaps verursacht ist.

Freitag, 18. November 2011

39. Tag

Der Shanghaier ist nicht um seine Fassung zu bringen. Egal was passiert, sie sitzt und wackelt nicht ein Stück. Man möchte fast meinen, die Shanghaier seien skrupellos - zumindest wenn es darum geht, in der Mode Trends zu setzen (jeder hat mal irgendwo angefangen, nur hier wird anscheinend nicht in den Spiegel geguckt). Was anfangs aussieht wie ein perfekt geputztes Brillenglas, entpuppt sich auf den zweiten Blick als, naja, eben kein Brillenglas. Die Brillenfassung sitzt nackt auf der Nase und heraus schauen zwei Augen, die im Selbstverständnis dieser modischen Praxis weiter geradeaus stieren - eine Sonnenbrille, wahrscheinlich.

Nun ist dies bei weitem nicht die einzige gewöhnungsbedürftige Gewohnheit der Chinesen (oder zumindest der Shanghaier Chinesen). Gerne wird bei Tisch geraucht und telefoniert. In Kombination nicht selten zulasten des Essens vom Tischnachbarn. Wird es zu warm, darf auch gerne mal ein bisschen Luft gemacht werden. So trifft man ab und zu einen nackten Chinesen im Restaurant - der raucht und telefoniert.

Wohlgemerkt, der Chinese liebt das Essen und es ist zudem fast alles frisch und von Hand gemacht (auf die Hand bzw. die Hände wird hier stark geachtet. Es gibt sogar ein Scoring-System für die Hygiene der Restaurants).

So. Aber genug der Esskultur. Wir starten nun in unser letztes Wochenende und senden viele Grüße aus Shanghai - Zaijian!

Donnerstag, 17. November 2011

38. Tag

Ein weiterer Tag in Shanghai neigt sich dem Ende zu. Während meine Erkältung in ihren letzten Zügen liegt und ich endlich Treppen steigen kann ohne am Ende Gefahr zu laufen, dass am oberen Treppenabsatz das Herz durch den Brustkorb schlägt, ist Eva noch gut angeschlagen und auch Burkhard geht es nicht sonderlich gut. Draußen grau und zugezogen gab es dazu heute schwüle Wärme in Höhe von 23 Grad - und wer sie nicht am Stück wollte, der hätte sie sicherlich auch schneiden können.

Beste Grundlage also für einen fast schon deutschen Herbsttag. Wäre da nicht der Schweiß in der Hose gewesen.

Die ganze Station schniefte und hustete so heute von Cafe zu Cafe - in der Hoffnung auf ein besseres Morgen.

Mittwoch, 16. November 2011

37. Tag

Erst dachte ich, mensch, dem haben die die Suppe aber heiß serviert. Als die Suppe nach fünf Minuten immer noch blubberte und sich dafür definitiv kein Stövchen voller heißer brennender Paste verantwortlich machen ließ, gewann der Topf meine volle Aufmerksamkeit. Ungeachtet seiner Zuschauer, verharrte der Topf in halbrechter Position vor dem ihm zugedachten Gast - neben einer Portion Fenchel und einem Teller dicker Shrimps (die Kombination halte ich persönlich ja für gewagt, aber zumindest in der Hinsicht halte ich die Chinesen für ein sehr kreatives und mitunter sehr mutiges Völkchen). Die Stäbchen des feisten Gastes wanderten geübt durch das kulinarische Diorama und landeten schließlich auch im brodelndem, braunem Sud. Heraus kam ein weiterer Shrimp. Im Unterschied zu seinen zart rosa-braun gerösteten Kollegen auf dem Teller war er jedoch putzmunter (auf jeden Fall war er das auf dem Weg vom Topf bis zum Mund). "Beschwipster Shrimps" heißt dieses - will man es positiv formulieren - doch recht frische Gericht. Dabei wartet eine handvoll Shrimps in einer Boullion mit Schnaps und Sojasauce auf den suchenden und schließlich auch findenden Griff der hölzernen Stäbchen; in der Zwischenzeit gibt es Schnaps - sprichwörtlich bis zum umfallen (naja, umfallen ist bei Shrimps schwierig. Einen Vorteil haben sie dadurch aber nicht - tot bleibt tot).

Natürlich wird auch ein Schwein oder ein Rind geschlachtet (ganz zu schweigen von Hühnern, Gänsen oder Puten) und selbstverständlich mag das ganze sogar noch martialischer ablaufen als das kurze Leben und Sterben eines stierenden Zuchtshrimps (vielleicht liegt es daran, vielleicht sollte der Shrimp mal was an seiner Optik tun. Große Augen wären ein Anfang. Das Nacht zumindest Eindruck). Allerdings ruft das Bild jenes quirligen kleinen Meeresbewohners, bei dem zwischen Leben und nicht mehr Leben nur ein Mund und vier Sekunden liegen, doch massives Unbehagen hervor. War ich froh, dass unser Fleisch grundsätzlich tot und frittiert war.

Neben der Küche haben wir heute auch einen der hiesigen Tempel besucht. Wesentlich weniger kitschig aber darum nicht weniger sehenswert war es vor allem die Tatsache, dass man hier die Schuhe anbehalten durfte, die für den Buddhismus sprach.

Ansonsten ist die Erkältung nach wie vor da und wird wohl auch noch den ein oder anderen Tag die Taschentücher füllen.

Dienstag, 15. November 2011

36. Tag

Nur wenig verdeutlicht die Sucht der Selbstdarstellung der Shanghaier so, wie der Pudel mit rosa Stummel (Schweif wäre übertrieben und Schwanz in diesem Fall... naja, nicht eindeutig - in jedem Fall: der Rest ist weiß) mit Mütze, Strickjacke, Socken UND Schuhen - würde er nicht dauernd abfallen, würde der Hund (es ist und bleibt ja einer) wahrscheinlich noch ein passendes Bärtchen tragen. Natürlich gibt es die riesen Wolkenkratzer (neben dem Jin Mao Tower und dem World Financial Centre wird gerade ein dritter, noch höherer Bau aus dem Boden getrieben), die neben der Höhe vor allem durch die schiere Anzahl beeindrucken, die nächtliche Lichtershow, die Markenversessenheit der Bewohner und die totale Kontrolle von Verkehr und öffentlichen Leben.

Doch gerade der Pudel zeigt, wie gut das alles zusammenpasst. Die Socken. Die Schuhe. Das Mäntelchen. Der Pudel.

Aber es glitzert und blinkt und sieht toll aus - insbesondere bei Nacht. Alle Gebäude an der Prachtstraße leuchten, ach, die ganze Straße ist illuminiert. Selbst die Bäume und Grasflächen, die Brücken und Kreuzungen. Ja, sogar der Asphalt scheint zu schimmern.

Von der Bar Rouge konnte man dann das ganze Panorama bewundern: eine Stadt die niemals schläft - und wenn, dann vergisst sie zumindest regelmäßig, das Licht auszumachen.

Übrigens: nachdem das Stäbchenessen mich anfangs daran hinderte, mich an dem leckeren Gerichten regelmäßig zu überfressen (zumindest ohne die Hälfte auf Kleidung, Tisch und im Getränk zu verlieren), funktioniert es nun immer besser, das Stäbchenessen.

Indessen hält sich die Erkältung hartnäckig. Bei Eva scheint sie sogar noch einmal richtig um sich zu schlagen.

Montag, 14. November 2011

35. Tag

Der vierte Tag in China fing an, wie der dritte endete. Mit Mucolsolvan und heißem Tee. Es dauerte ein wenig (drei Stunden und vier Kaffee), ehe der Kreislauf in Schwung kam und wir in der Lage waren, die Stadt weiter zu erkunden.

Shanghai selbst sieht aus wie geleckt. Kein Müll, keine Obdachlosen, keine Tiere auf der Straße und schon gar nicht im Verkehr. Betritt man den wohl bekanntesten Teil der Stadt - Pudong -, ahnt man, woran das liegen könnte. Kaum ein Gebäude ist älter als zwanzig Jahre - und kleiner als der Kölner Dom. Wir mussten demzufolge darauf achten, die Kinnlade zwischenzeitlich auch mal wieder hochzuklappen, um mitsamt der laufenden Nase nicht wie völlig grenzdebile Westeuropäer zu wirken.

Dabei bietet Shanghai tatsächlich bauliche Superlative. Dazu gehören neben den Wolkenkratzern auch das U-Bahn- und Straßennetz. Nicht selten gibt es hier Autobahnbrücken über Autobahnbrücken über Autobahnbrücken und das ganze auch noch achtspurig.

Nach Indien ist dies ein eher unerwartetes Kontrastprogramm. Der Verkehr läuft wie man sich vorstellt, dass ein Verkehr laufen sollte (die rote Ampel wird also nur mitgenommen, wenn kein Verkehrspolizist anwesend ist und die Straße hinreichend frei ist. Wobei "frei" selten "leer" bedeutet), der Müll wird nicht mitten in der Stadt in kleinen Haufen verbrannt (wahrscheinlich ist es ein großer Haufen - bei 22 Millionen Einwohnern vielleicht auch zwei oder drei - und wahrscheinlich befindet er sich auch außerhalb der Stadt. Relativ sicher wird er aber auch hier zum größten Teil verbrannt) und nicht jeder, der einen angrinst will Geld oder ist ein Kind (auch hier ist der Anteil noch recht hoch. Man schafft es aber auch durchaus hundert Meter zu Fuß ohne Bauchladenbesitzer).

Bilder

Hallo alle zusammen, die ihr so aufmerksam den Blog verfolgt. Es gibt neue Fotos (im zweiten Album "Indien") in einem neuen (und damit dritten) Album:

https://picasaweb.google.com/116301340172029582707/ChinaShanghai?authuser=0&authkey=Gv1sRgCNjanISO3cO3Vg&feat=directlink

Trotz momentanem Invalidenstatus haben wi unser bestes gegeben, ansprehnde Motive zu sein und den Hintergrund als das darzustellen, was er in erster Linie sein sollte, nämlich Hintergrund.


Sonntag, 13. November 2011

34. Tag

Ein Nachtrag zu gestern: war der Kärcher auf den Toiletten in Indien schon ein Novum in den Möglichkeiten der , stellten die Toiletten im World Financial Centre alles bisher dagewesene in den Schatten. In der Armatur rechterhand ließ sich nun neben dem "Strahl" auch noch dessen Stärke und Temperatur einstellen (auf Knopfdruck war hier auch die Oszillation regelbar - da bleiben keine Wünsche offen). Danach konnte man das erreichte mit einem Fön trocknen. Das Gefühl kann man nicht beschreiben. Das muss man erlebt haben. Nur soviel: nicht viele werden danach noch an dreilagiges, strukturiertes Toilettenpapier denken.
Nun zu heute: in Shanghai gibt es Schneider, die so ziemlich alles schneidern, was sich mit Nadel und Faden zusammenbringen lässt - und das zu Preisen, die jeden Einkauf bei Aldi zum Boutiquen-Besuch werden lassen. Ein Wintermantel sollte es sein. Auf den Leib geschmiedet.
Die Auswahl war dabei fast so groß, wie die Schwierigkeit, zu handeln. Aber da Burkhard mittlerweile ein mehr als leidlich gutes chinesisch spricht, ist der Anfang schnell gemacht (die Sprache hört sich immer an, als würden die Leute mit einer heißen Kartoffel im Mund durch einen Ventilator sprechen. Bei einem englisch sprechenden Chinesen ist der Ventilator weg. Die Kartoffel scheint allerdings größer zu werden). Keine halbe Stunde später ist der Mantel in Auftrag gegeben. Das Ergebnis gibt es dann nächsten Samstag.
Ansonsten war der Tag eher ruhig und wir haben ihn mit Tee und Mucolsolvan-Saft verbracht, da die Erkältung wohl doch nicht weg war, sondern nur hinter der nächsten Ecke in der Klimaanlage gewartet hat.

Samstag, 12. November 2011

Tag 33

Zweiter Tag in China. Nachdem fast alle ausgeschlafen hatten ging es Richtung Frühstück. Das heißt, aus dem 28. Stock runter auf die Straße und rein in die Stehbäckerei (nach einem Monat Toast und Banane am morgen hat man den Glauben an ein gutes Frühstück schon fast verloren. Es dauerte das halbe knusprige Brötchen lang, bis man begriff, dass die Hoffnung nicht vergebens war).

Da wir noch etwas warme Kleidung brauchten, ging es nach einem kurzen Aufenthalt bei der Polizei (wo ein Pikachu in Uniform erneut die Pässe kontrollierte - und uns letztendlich unseren Aufenthalt genehmigte) zum Markt. Neben Kleidung von Deisel, Abicas und Ray Bo erinnerte hier vieles an die Basare von Indien, vor allem das Handeln. Ähnlich wie dort wurde hier mit allem argumentiert, was gerade noch Sinn machte (im ersten Geschäft sah es kurz danach aus, als wollte der Verkäufer weinen, schlagen und fluchen gleichzeitig - ein gutes Zeichen, dass man nahe am richtigen Preis ist, wenn auch sehr theatralisch und hier fast beängstigend). Dabei bringt einem jeder Schritt zur Ladentür ungefähr zehn Prozent näher zum Wunschpreis. Ein Vorteil, den man in Indien nicht hatte - es gab schließlich keine Tür. Natürlich hängt damit der Verhandlungsspielraum in einem kritischen Verhältnis von der Entfernung zur Ladentür ab - wenn einem sonst kein Argument blieb.

Das Abendessen erforderte dann volle Konzentration. Stäbchen. Bei den Chinesen sieht das so elegant aus. Bei mir sorgt es nur für zahlreiche Flecken auf der Tischdecke und ebensovielen schmunzelnden Kellnern. Doch das Spektakel fand seinen Höhepunkt im Akt puren Mitleids durch einen Kellner, als Eva versuchte, Fleisch mit Stäbchen zu - naja, wie will man es nennen - schneiden. Er brachte uns Messer und Gabel (danke Herr Kellner, ein scharfes Stäbchen hätte es auch getan). Umso beharrlicher wurde das Schnitzel mit dem Stäbchen bearbeitet und - irgendwie - in zwei Teile gebracht. Man darf sich nun selber ausmalen, wie lange es dauern kann, bis da der letzte Bissen im Mund ist. Warm ist der nicht mehr.

Freitag, 11. November 2011

32. Tag - Shanghai

Hallo aus China! Nach fünf Stunden Flug und gefühlten fünf Minuten Schlaf sind wir jetzt da bzw. hier.

Und wieder ist alles anders. Die Menschen, die Stadt, das Wetter. Keine 30 Grad mehr, dafür weniger Gehupe und Gestank.

Nachdem Burkhard uns vom Flughafen abgeholt und zu seiner Wohnung gebracht hatte, ging es, nach einem kleinen Nickerchen (in dem Fall lässt sich wohl eher von Koma sprechen - die Beinfreiheit im Flugzeug war echt begrenzt und der Kichererbsensalat um halb vier morgens zum Frühstück hat die Sache nicht gerade angenehmer gemacht. Nicht nur für mich) zum Essen.

Essen mit Stäbchen. Das ist, als würde man einen Computer nur mit der Maus bedienen. Es geht - das aber nicht wirklich gut. Man ist halt an die Tastatur gewöhnt oder in diesem Fall an ein Messer.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und einem mittelschweren Krampf in der rechten Hand lief es dann einigermaßen. Zumindest fand der ein oder andere Bissen seinen Weg - es ist halt ein bisschen so wie beim Mikado.
Man hofft und hofft und hofft - es bewegt sich nichts - und dann, ganz zuletzt, liegt die Nudel dann doch wieder in der Soße.

Donnerstag, 10. November 2011

31. Tag

Letzter Tag in Delhi, letzter Tag in Indien. Die Koffer sind gepackt, die letzten Sachen verstaut und der Abschied ist nahe, denn mittlerweile sitzen wir am Flughafen im Wartebereich.

Der Monat ging schnell rum und ich denke, es dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass wir viel erlebt haben. Dazu gehört nicht nur die schöne Landschaft, der Ritt auf dem Kamel oder der Blick aufs Taj Mahal. Dazu gehören auch oder gerade vor allem die Eindrücke zwischen den Zeilen: der Rikschafahrer im Rinnstein, die Kartoffeln im Reis oder auch der Kärcher auf dem Klo (Papier ist hier eine Seltenheit und wenn überhaupt nur einlagig und unstrukturiert). Es ist nicht der einzelne Eindruck, der das Bild - mein Bild - von Indien zeichnet. Es ist vielmehr ein Mosaik, nein, ein Poutpurri aus einzelnen Teilen. In der Beschreibung läuft man also Gefahr, vieles zu Unterschlagen; ganz zu schweigen von dem was man nicht beschreiben kann (U-Bahn fahren in Delhi, Multifruchtmarmelade und der Kanon aus dem Rachen verschnupfter Inder - da wünscht man sich einen besonders lauten penetranten Rikschafahrer). Um es kurz zu sagen, es fehlt der kulturelle Kontext, der sich durch die Vorbelastung in Form des westlichen Kulturgutes nur nach und nach erschließt. Ich will damit nicht sagen, dass wir diesen nun begriffen hätten und schon gar nicht, dass ich oder wir ihn unheimlich schön finden würden (schön im Sinne von "hübsch", nicht schön im Sinne von "interessant"). Allerdings will ich sagen, dass es sich lohnt, sich eine Reise hierhin einmal an zu tun, sei es wegen der Menschen, der Kultur oder der Landschaft - Indien hat tausende Gesichter. Deshalb werden auch wir wiederkommen.

Auf Wiedersehen, Delhi, auf Wiedersehen Indien. Dhanyavad, oh, nein, ich meinte Shukriya!

Mittwoch, 9. November 2011

30. Tag

Shopping Teil zwei. Heute waren Delhis Malls und Markets dran. Grundsätzlich stellen sie, ähnlich wie die Ost-Indien-Kompanie in der Vergangenheit, einen Brückenkopf der westlichen Kultur dar. Das merkt man zuerst daran, wie stark besucht diese sind (in der Regel halten sich mehr Angestellte im Laden auf als Kunden. Nicht selten beträgt das Verhältnis fünf zu eins, gerne aber auch mehr). Es kommt also durchaus vor, dass man, wenn man die Ladentür öffnet, die Belegschaft aus einem kollektiven Nickerchen reißt. Dann ist man jedoch im Besitz der vollständigen Aufmerksamkeit und fühlt sich wie im Zoo, nur sitzt man diesmal auf der Affeninsel und nicht davor.

Anders als auf den Basaren ist der gemeine Verkäufer hier weniger aufdringlich (gibt es passive Aufdringlichkeit?). Was aber mitunter auch so verstanden werden könnte, als wollte er gar keine Kunden im Laden, sondern sein Revier durch unverblümtes starren und beharrliches hinterherhuschen von selbigen rein halten.

An der Kasse scheint sich dann der scheinbare Personalüberschuss zu erklären: hinter der Kasse steht ein Dutzend Verkäufer, die damit beschäftigt sind, bei einer Frau zu kassieren. Eva versucht es an einer freien Kasse, woraufhin sie gebeten wird, sich in der Reihe anzustellen (kurz zur Arbeitsteilung: einer kassiert, einer packt ein und zehn Leute gucken zu. Ein ähnliches Spiel ergab sich später bei Mcs. Entweder handelt es sich hier also um eine Ausbildungsoffensive oder es gibt dort auch sowas wie "nimm-fünf-zahl-vier"). Gemacht getan, und zehn Minuten später war sie dann auch dran.

Jetzt sind wir wieder im Hotel und beginnen damit, die Koffer zu packen. Morgen beginnt dann der letzte Tag in Indien - bevor es dann weiter nach China geht.

Dienstag, 8. November 2011

29. Tag

Zurück in Delhi. Der letzte Nachtzug war pünktlich und dank Oropax auch relativ friedlich.

Aus dem Zug ausgestiegen, begrüßte uns der Morgen mit einer Kakophonie aus Kleinkindergeseier, den gut geölten Stimmen der Teeverkäufer und den weniger gut geölten, darum aber nicht weniger munteren Offerten der Rikschafahrer.

Es ist ein bisschen so gewesen, als würde sich der Kreis nun schließen - wenn uns auch noch zwei Tage bleiben. Heute Abend wurde darum zum Angriff auf die Basare geblasen, was in der ersten Runde recht durchschnittlich gut gelang. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier bis aufs Blut gefeilscht und gehandelt wird. Nur unter widerwilligen Gesten nahm der Verkäufer davon Abstand, uns fünf Messingskulpturen von Krishna verkaufen zu können (trotz "best price", "Feierabendrabatt", "Studentenbonus" und "fünf-für-vier-deal" - vier sind vier zuviel, warum dann noch welche extra?). Noch dazu sahen sie aus wie ein Großfamiliensatz Zinnpinökel fürs Bleigießen. Aber auf all das wusste der Mann eine Antwort: für zuhause, als Geschenk (unschlagbare Universalantwort) - Gegenantwort: äh, nein. Doch er wäre kein Verkäufer, wenn er nicht auch in diesem Fahrwasser (für uns saß er da - um in der Metapher zu bleiben - auf einer Sandbank) versucht wäre, den Kunden an die Angel zu bekommen. Seinen nächstes Argument hatte er sich darum gut überlegt, wenn ihm auch unverkennbar ein wenig Verzweiflung innewohnte: "nehmt zehn und ihr bekommt zwei umsonst." Was sollte man sagen. Diese Logik war so messerscharf wie entwaffnend - er ließ einfach nicht locker.

Aber nicht immer hatte er derart wenig Wasser unterm Kiel. Denn lässt man einmal erkennen, dass man Interesse an etwas hat, fangen seine Augen an zu blitzen und er ereifert sich, jede noch so kleine Produkteigenschaft zu preisen. In diesem Fall sollte man eine gute Priese Desintresse parat halten, da sonst der Raum für Verhandlungen eng wird.
Schon alleine die Idee eines Anflugs von Gefallen, auf die der Verkäufer auch schon aus der Stärke des "nicht-ablehnens" zu schließen scheint, gefährdet die Verhandlungsposition.

In dem Sinne bleiben uns jetzt noch zwei lehrreiche Tage.

Montag, 7. November 2011

28. Tag

Zweiter Tag in Amritsar. Kein guter Tag. Alles begann am Vortag, Prolog: Tripadvisor-App und Lonely Planet sind sich einig - das Chrystal Restaurant ist ein gutes Restaurant. Nettes Ambiente, moderate Preise und - vor allem - leckeres Essen (in Indien schon eine seltene Kombination).

Im Restaurant angekommen begrüßte uns zuerst der Turban tragende Türsteher (die Turbane der Sikhs sind großartig. Sie verleihen einem automatisch mehr Würde. Egal was der Träger tut - Fenster putzen, Türen halten, lächeln - alles erhält sogleich eine Portion mehr Grazie, wenn man es mit Turban tut). Das Ambiente war wirklich schön, so schön, dass man bemüht war, die Nasen der Gäste alle paar Minuten mit einer ordentlichen Ladung Raumdufterfrischer im Ventilator bei Laune zu halten (für mich eine Spur zu überambitioniert). Der nationale Teil der Karte wurde denn großzügig überflogen - Spaghetti Bolognese und russischer Salat sollten es sein. Zumindest die im Fleischsoßen-See schwimmenden Nudelstummel ließen die Intention des Maître de Cuisine erkennen - anders beim Salat. Hier erinnerten nur bunte Punkte daran, dass der Berg Mayonnaise nicht alleine auf dem Teller war, sondern, wenn nicht Smarties, so doch wenigstens stückweise kleine Gemüseschnipsel in ihm lungerten (mhm, "wabberten" trifft es eher).

Aber wir hatten schon schlimmeres gesehen (und außerdem Hunger) und nahmen die Herausforderung an. Hätten wir besser nicht. Neben den am Ende doch gesalzenen Preisen suchte der russische Salat den kürzesten Weg nach draußen. Er fand ihn relativ schnell und handelte entschlossen. Die Bolognese ließ sich damit noch ein bisschen Zeit und forderte von Eva erst mitten in der Nacht Genugtuung, die sich dann bis in den Nachmittag hinein zog.

Der Ausblick des Tages beschränkte sich so im wesentlichen auf die Zimmerdecke und sämtliche Keramik. Es kann nur besser werden - morgen, in Delhi.

Sonntag, 6. November 2011

27. Tag

Ankunft in Amritsar. Es ergibt sich das gewohnte Bild am Bahnhof: kaum ist man in Sichtweite der Waggontüre gelangt, springen einen die Rikschafahrer an wie läufige Hunde. Deren Penetranz ist so unnachahmlich und bisweilen stärker als das Material aus dem ihr Gefährt gemacht ist (gut, der Vergleich hinkt. Teils müsste es "ursprünglich" heißen). Ein "Nein, danke" wird nicht etwa als das aufgenommen, als welches es durch den Absender (mich) intendiert war (eine Ablehnung), sondern großzügig interpretiert (zum Beispiel: "Ja, vielleicht." oder "Nein, aber frag mich bitte alle 10 Sekunden nochmal, vielleicht ändere ich meine Meinung ja nochmal."). Bringt man der Penetranz genügend Ignoranz entgegen (hier sei eine möglichst starke Sonnenbrille empfohlen), schafft man es bis zur Vorhalle des Bahnhofs und der Spießrutenlauf setzt sich fort. In diesem Fall bis zum Hotel, was recht nahe am Bahnhof liegt. Kein Meter, den wir nicht ohne Begleitung zurücklegten - selbst im Gegenverkehr.

Am Nachmittag haben wir dann aber doch zugeschlagen und mit der Fahrradrikscha eine neue Stufe in der Hierarchie des indischen Verkehrs betreten (Stufen führen ja bekanntlich nicht nur nach oben). Es ist eine sehr direkte Art, mit dem Verkehr in Kontakt zu kommen - oft nicht mehr als eine Hand breit - und erst recht, wenn den Fahrer der Ehrgeiz packt und er auf der rechten Spur der Schnellstraße alles gibt. Ich weiß nicht, ob man das Freude nennt, was man fühlt, wenn die Fahrt dann zuende ist und man in einem Stück mit beiden Beinen auf der Erde steht - es fühlte sich in jedem Fall sehr gut an.

Ein bisschen was zur Stadt: es handelt sich um eine heilige Stadt der Sikh (leicht erkennbar an ihrem Turban, der im Unterschied zum üblichen Turban aber meist sehr eng gewickelt ist. Ihrem Glauben nach müssen sie auch stets ein silbernes Schwert mit sich tragen. Der tägliche Kompromis scheint in einem Buttermesser mit Halfter zu bestehen). Heiligster Bestandteil ist ein goldener Tempel, der als ursprüngliche Wirkungsstätte des Gurus diente. Hier wird gebetet und gewaschen, was das Zeug hält (hätte er damals gewusst, was er da für ne Welle lostritt, hätte er den Tempel vielleicht größer gebaut). Die Warteschlangen für den Hauptschrein sahen so aus wie bei Aldi Samstag um Mittag - mit nur einer besetzten Kasse.

Vielmehr gibt es hier nicht, weshalb wir auch schon morgen weiter nach Delhi fahren.

Samstag, 5. November 2011

26. Tag

Rishikesh. Stadt der Hängebrücken und des Yoga. Die Hängebrücken sind schnell erklärt: zwei Stück, die eigentlich nur für Fußgänger zugelassen sind. Was allerdings keinen daran hindert, mit jedwedem Gefährt, das gerade noch passt, hinüberzukommen und es mit dem, das gerade nicht passt, mindestens fünfmal zu versuchen (besonders beliebt ist der Bananenkarren, an dem keiner vorbeikommt und dessen betagter Besitzer schlurfend - aber lautstark - den Gegenverkehr zum Rückzug zwingt). Zeitweise ist die Brücke daher so voller Menschen, Kühen, Motorrädern und Karren, dass man sich nicht wünscht, der verantwortliche Statiker zu sein.

Neben den Brücken gibt es noch das Yoga, ach was, die Yogen in Rishikesh. Jede noch so blanke Stelle in der Stadt wird benutzt, um Werbung für die wirklich verschiedensten Arten von Yoga zu machen. Das hat zur Folge, dass Rishikesh - als selbsternannte Hauptstadt des Yoga - enorme Massen an Menschen anzieht. Vorzugsweise westliche Touristen. Leicht erkennbar an seiner Tracht (lange Haare, Frauen oft auch sehr kurz. Pluderhose, langes, nach vorne hin offenes Hemd, dass das oft ergraute Brusthaar voll zur Geltung kommen lässt und mindestens Halskette), die zwar irgendwie alternativ wirken soll, mit den Indern selber aber wenig zu tun hat.

Gerne hätten wir selber einmal die Kraft des Yoga erlebt. Leider reicht ein Tag hierfür jedoch nicht und wir haben so den anderen beim Yoga machen am Strand zugeschaut (bisweilen sehr unterhaltsam. Es ist den Leuten zu wünschen, dass sie von dem Ganzen auch etwas haben).

Jetzt sind wir wieder unterwegs. Nach Amritsar, der letzten Station, bevor es wieder nach Delhi geht.

Freitag, 4. November 2011

25. Tag

Um es mit den Worten E.M.Remarques zu sagen: im Osten nichts Neues. Also ganz stimmt das nicht, aber die Klimaanlage hat nun auch mir eine Erkältung aufgenötigt. Die Zeit wurde aber dennoch recht sinnvoll genutzt. Nicht zuletzt gab es auch einen großen Lichtblick. Nach 25 Tagen (das ist nur die objektive Anzahl, subjektiv war es mindestens ein halbes Jahr) der Abstinenz, ja ich will sagen 25 Tagen der völligen Enthaltung war es endlich soweit. Kaffee. Echter Bohnenkaffee. Frisch gebrüht.
Nach der dritten Tasse ging es dann auch gleich besser - fast schon zu gut. Zumindest meinem Kopf.

Man muss dazu wissen, dass die meisten hier auf Instant-Kaffee stehen (wenn's nicht grade Chai ist). Eine leicht braune Brühe, die nur eins mit Kaffee gemeinsam hat: sie wird heiß serviert. Ansonsten schmeckt es so wie es riecht und aussieht - nicht gesund. Entsprechend berauscht habe ich mich an dem Bohnensud (obwohl der indische Tee zeitweise zur ernsthaften Alternative avancierte). Eva mag beides nicht so ganz so gerne (deshalb Tasse Nummer drei - mein persönliches Koffeinmassaker).

Donnerstag, 3. November 2011

Neue alte Bilder

Um der Bilderflut ein bisschen gerecht zu werden, die hier Tag fuer Tag entsteht (wir versuchen uns zu beherrschen, gerade weil die Kamera doch der Momentkiller Nummer eins ist, noch vor der oeffentlichen Muellverbrennung, kitschiger Bollywood-Musik und redseligen Kellnern), haben wir mal wieder ein paar neue Bilder hochgeladen. Dabei handelt es sich vor allem um Bilder aus den Tagen von Jaisalmer bis zur Ankunft in Agra. Damit man jetzt auch nicht zurueckscrollen muss, hier nochmal der Link (nicht wundern, ist ein neues Album):

https://picasaweb.google.com/116301340172029582707/IndienRajasthan?authuser=0&authkey=Gv1sRgCL2T29bS8cTG1gE&feat=directlink

Die alten Bilder gibt es immer noch, allerdings unter dem alten Link:


https://picasaweb.google.com/116301340172029582707/IndienDelhiErsteTage?authuser=0&authkey=Gv1sRgCPyZ7a3Ir7L2EA&feat=directlink







24. Tag

Tag zwei in Haridwar. Nach dem Frühstück (wir waren recht spät und darum alleine. Uns stand also die ungeteilte Aufmerksamkeit von fünf Kellnern zur Verfügung. Damit auch jeder was zu tun hatte, kam grundsätzlich alles einzeln. Ich war schon fast peinlich berührt, dass die leere Teetasse nur von einer Person nachgefüllt werden konnte) ging es an die Tagesplanung.

Das Ergebnis war ein Tagesausflug an einen Ort mit dem klangvollen Namen "Chilla". Mitten im Naturschutzpark gelegen, machte er seinem Namen alle Ehre und lud - abseits von Smog und großer Stadt - zu einer weiteren Safari im Grünen ein.

Erstmal mussten wir aber warten. Drei Stunden. Nachdem wir fast schon davon ausgegangen waren, dass der Revierkampf zwischen einem Rudel Affen und einem Hotelbesitzer den ergreifendsten Moment des Tages ausmachen würde, ging es los. Entlang des Gangeskanals in den Dschungel. Und da waren sie: grüne Hügel im sanften Nebel - wie aus der Kaffeewerbung. Mit dem Unterschied, dass hier Cannabis und Minze statt Arabica-Bohne gedeiht. Dazwischen Pfauen, Eisvögel und Affen.

Der inhaltliche Höhepunkt korrellierte mit dem physikalischen und befand sich auf einem Berg in bzw. um einen Tempel. Dort wohnten drei Hindumönche, sogenannte "Babas". Neben einem fantastischen Ausblick über die umliegenden Täler hatten sie hier auch noch ausgezeichneten Tee. Es war einer der Momente, wo man wirklich denkt, "boah, richtig schön hier", einer der Momente, wo man alle Aufregung, alles Elend und alle Unannehmlichkeiten vergisst und sich einfach nur freut, hierhin gekommen zu sein.

Am Ende gab es dann sogar Elefanten. Groß und grau und vor allem in echt.

Mittwoch, 2. November 2011

23. Tag

Haridwar (eigentlich sollten wir im 10 Kilometer entfernten Rishikesh sein - aber gut. Die Reiseagenturleitung ist da wohl eher freizügig mit dem Begriff "Planung") ist ein weiteres Städtchen am Ganges. Es liegt ein ganzes Stück stromaufwärts und man erkennt, dass auch der Ganges mal ein sauberer Fluss war bzw. ist (in Varanasi war er in seiner trüb braunen Färbung kaum vom Sand zu unterscheiden). Hier wie dort wird kräftig in ihm geschwommen, um sich von den Sünden zu befreien (und wenn man sich so manchen anguckt, ist das Bad im Ganges grundsätzlich ein guter Schritt - zumindest hin zu einem reineren Leben, in welcher Hinsicht auch immer).

Für uns ging es jedoch erst einmal den Berg hinauf. Bis kurz vor dem Tempel. Kurz vor der hier-musst-du-deine-Schuhe-ausziehen Phase. Dann haben wir umgedreht und sind wieder runter. Da hat der Inder schön doof geguckt. Aber wir haben auch geguckt, nämlich ins Tal und auf die Stadt. Mit Tempeln ist es nämlich langsam vorbei. Erstens wurden die 15 Milliarden schon gefunden, zweitens sehen sie grundsätzlich verdammt ähnlich aus und drittens wird man dort als Tourist meist ausgezogen. Hier Eintritt, da eine Spende, der rote Punkt für 1.000 Rupien (was mich zu Spekulationen über die Herkunft von dem Vermögen unter erstens führt). Das Programm gilt aber nur für (nicht-indische) Touristen. Die Inder selbst - egal welcher Klasse und Herkunft - sind davon ausgenommen.

Aber gut. Man muss ja nicht reingehen.

Am Abend folgte dann das nächste Spektakel: auf dem Ganges wurden kleine Schiffchen aus Blättern ausgesetzt. Darin Kerzen. Dazu wurde gerungen.

Eins muss man den Indern lassen, wenn es um Stimmung und Party geht, sind sie die letzten, die in der Ecke stehen.

Dienstag, 1. November 2011

22. Tag

20 Stunden Zugfahrt. Von Varanasi nach Haridwar. Alles begann damit, dass am Vortag reichlich Kekse (darunter den gesamten Warenbestand eines Händlers an Oreos) und Bananen (das einzige Obst ohne Fliegenbesatz) beschafft wurden, um den möglicherweise entstehenden Hunger in den Griff zu bekommen.

Am morgen ging es dann los. Unser Transit zum Bahnhof stecke im Verkehr fest. Er sei aber in knappen anderthalb Stunden da, wir sollten uns also keine Sorgen machen. Gut, solange der Zugführer auch mit von der Partie war und er nichts dagegen hatte, eine halbe Stunde auf uns zu warten, hätte es auch keinen Grund zur Sorge gegeben. Da die Kommunikation in diesem Punkt aber weit hinter der Beschreibung "dürftig" zurück lag, wurde gehandelt, anstatt auf die stete Pünktlichkeit oder - positiv formuliert - die passive Kulanz der Bahn zu vertrauen.

Wir quetschten uns also in eine Motorrikscha, zahlten trotz Handeln einen viel zu hohen Preis, waren dafür aber pünktlich am Bahnhof, genauso wie unser Zug.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten (mit uns im Abteil: eine Inderin, eine Maus "süß", eine ungezählte Anzahl an Kleintieren von Ameise bis walnuss-große Schabe "Iieeh!"), ging es daran die Zeit zu überbrücken. Obwohl der Wagen für eine Nachtfahrt recht komfortabel ist, fühlt man sich am Tag wie in Beugehaft. Die Fenster lassen nur den Umstand erkennen, ob es draußen hell oder dunkel ist, ansonsten durchflutet Neonlicht das Abteil. Bewegen ist auch nicht groß drin, da die Abteile recht eng geschnitten sind und am Anfang und Ende des Waggons die Toilette ein unglaubliches olfaktorisches Erlebnis bietet, das mit der Zeit nur intensiver, aber keinesfalls besser wird.

Nach fünf Stunden und dem gesamten (anteiligen, na vielleicht auch ein bisschen mehr) Keksvorrat, führte die "fast" ruckelfreie Fahrt (da nehmen sich Schiene und Straße fast nichts, nur dass der Zug nicht entsprechend langsamer fährt) dann zu einer ausgedehnten Übelkeit, die ich, während zumindest Eva schlafen konnte, ausgiebig zelebrierte - mit noch mehr Keksen. Das Ergebnis ähnelte dem Zustand der Toilette: es wurde nicht besser, nur ungleich intensiver.

Am Ende war ich froh, dass der Zug das Ziel pünktlich um 5 Uhr erreichte.

Montag, 31. Oktober 2011

21. Tag

Die Hälfte der Zeit der Reise liegt nun hinter uns, in Indien beginnt sogar schon das letzte Drittel und damit die letzten zehn Tage. Eigentlich ist das ja unwesentlich, aber man merkt schon, wie schnell man sich an vieles gewöhnt oder zumindest gewisse Umstände akzeptiert: zum Beispiel der Verkehr, der eigentlich keiner ist, da "Verkehr" ja etwas Geregeltes suggeriert. Vielmehr müsste man von einem Mahlstrom sprechen, der täglich durch die Stadt bricht und sich seinen Weg bahnt. Das Leben läuft in Indien auf der Straße ab. Hier gibt es alles: Essen und Hunger, Kleidung und Elend, Neid und Leid - alles nur wenige Schritte von einander entfernt, wenn überhaupt.

Oder die Religion. Im Prinzip gibt es den Hinduismus, ja, aber auch wieder nicht wirklich DEN Hinduismus im Sinne von "dem einen Hinduismus". Hier darf wirklich jeder fröhlich drauf losglauben, die Jainisten, die Sikhs, die Zarathustra, aber auch die Muslime, Christen und Juden. Und das ganze relativ ungestört, wer hätte das gedacht?

Obendrein mündet alles in ungeheuren Kitsch. Keine Farbkombination zu schräg, kein Auto ohne Lametta und Bommeln, kaum ein Gottesabbild, das nicht mit Staniolpapier umwickelt, mit pinken und grünen blinkenden Lichterketten versehen und von orangen Blumen gekrönt ist. Selbst der best dekorierteste Weihnachtsbaum würde hier untergehen im Glanz von Chrom, Leuchtreklame und Saris.

In dem Sinne haben wir den Tag genutzt um nichts zu tun - die obligatorische Stadttour (zwei Tempel, ein Shop) zählt hier mal nicht, dass sind generell Kaffeefahrten. Statt Heizdecken bekommt man hier halt Teppiche, Marmor oder Teppiche angeboten (die Frage, warum man uns 5 Meter lange Teppiche anbietet blieb unbeantwortet - passt ja in jedes Handgepäck. Allerdings war man vorbereitet: es gab sie auch im Format von 5cm als ultrahübsche Glasuntersetzer oder als Geschenk für geschmacksfreie Verwandte und Freunde zuhause).

Ein Gruß aus dem Hotelzimmer!

20. Tag

Die Verspätung von gestern Abend hatte sich heute morgen auf komfortable fünf Stunden ausgeweitet. "express" scheint auch hier nicht für Geschwindigkeit zu stehen. Anders als in Deutschland wird einem aber nicht erzählt, dass der Zug verspätet ist (das ist es eigentlich immer) und vor allem um wie viel. So standen wir um 5 Uhr fertig gepackt im Gang. Zusammen mit sechs anderen Varanasi-Touristen. Flugs wurde eine Schaffner(ähnliche) Person gefunden, der jede halbe Stunde sagte, es dauert noch eine halbe Stunde (ach, hier fühlt man sich direkt heimisch). Letztendlich war der Zug jedoch recht komfortabel und die Fahrt recht angenehm. Zumindest anders, als wir es erwartet haben.

In Varanasi angekommen sind wir dann heute nur im Hotel geblieben. Denn hier gab es einen Pool. Und nicht nur das - man konnte sogar bis zum Grund gucken und es roch nach ausreichend Chlor. Fantastisch!

Nach einiger Zeit gesellte sich eine Bande Affen an den Pool. Das offene Hotelfenster war schnell gefunden und der Gast schnell um alles essbare gebracht - außerdem waren Multifruchtmarmelade und Zigaretten unter der Beute. Alleine die Filter werden den Betroffenen an diese Orgie erinnern (die Zigaretten wurden im Übrigen vor der Multifruchtmarmelade gegessen - manch einer mag das auf die komplizierte Verpackung schieben, ich nenne das mal vorsichtig "Geschmack").

Wir bestellen viele Grüße aus der Stadt am Ganges!

Samstag, 29. Oktober 2011

Tag 19

Das Taj Mahal. Von weitem sieht es tatsächlich so postkartenmäßig aus. Fast schon wie eine überdimensionale Fototapete, ist sie mit Sicherheit eins der imposantesten, wenn nicht DAS imposanteste und schönste Bauwerk, das wir in Indien gesehen haben. Da hat sich das frühe Aufstehen genauso gelohnt, wie der übertrieben hohe Eintritt. Wer allerdings meint, man wäre um 6 Uhr morgens alleine am bekanntesten Wahrzeichen Indiens, der irrt. Mindestens eine halbe Stunde Wartezeit und fünf Souvenir schwenkende Inder (pro Tourist) erwarten den Frühaufsteher.

Nach einem weiteren Fort am Nachmittag (kein Guide, keine Führung - mittlerweile sieht das eine eh aus wie das andere, und aus welcher Sedimentschicht das edle Mauerwerk stammt, ob mit oder ohne Kuhdung gezimmert, kann auf Dauer ja doch keiner behalten - selbst, wenn man ernsthaft wollte).

Danach haben wir - nicht ohne eine gewisse Wehmut - unseren Fahrer fahren lassen, also alleine. Ab heute geht es denn mit dem Zug weiter, Richtung Varanasi. Ankunft 4 Uhr 50. Bei der jetztigen Verspätung (Herr Grube wäre neidisch) ist allerdings mit einer ordentlichen Zeit von 8 Uhr zu rechnen. Also bis morgen, dann aus Varanasi.

Freitag, 28. Oktober 2011

Tag 18

Heute stand die letzte Etappe mit dem Auto an. 300 Kilometer nach Agra. 6 Stunden. Danach werden wir unseren Weg mit dem Zug fortsetzen. Auf dem Weg haben wir halt gemacht, um eine echte kulturelle Leistung der Inder zu bewundern - indische Süßigkeiten. Diese bestehen im Grunde aus Zucker oder Fett, oft auch beidem (zumindest soviel, dass die Hände nach dem Genuss kleben UND glänzen). Eine wahre Wucht sind die Teile, die aus eingekochter Milch bestehen. Dabei wird die Milch solange gekocht und mit Zucker angedickt, bis der Löffel stecken bleibt. Kein Vergleich zum deutschen Weihnachtsgebäck, aber konditortechnisch haben die Inder da bei mir echt Punkte machen können - bei Eva weniger.

Ansonsten lief die Fahrt recht normal ab. Ein Büffel hier, ein Affe da und auf der Mittelspur der Autobahn die schlafende Kuh oder ein Fahrradfahrer.

Während "Agra" den meisten wohl nicht viel sagen wird, wird es der Name eines Gebäudes in der Stadt umso mehr tun: das Taj Mahal. Gebaut für eine verstorbene Frau (wohlgemerkt: für die zweite Frau - tja, nicht jeder der zuerst kommt, mahlt zuerst), ist es das Gebäude, dass für jeden Indienurlauber zum Reiseplan gehört. Das weiß wohl auch der Portier, denn der Eintrittspreis für den Touristen beträgt mehr als das 37-fache dessen, was ein Inder zahlt (20 Rupien). Egal. Dafür stehen wir morgen früh um 5 auf, nur um dann um 6 da zu sein und ein Foto zu schießen, zurückzufahren und dann noch eine Stunde zu warten, ehe es Frühstück gibt. Hauptsache Foto.