

Erst dachte ich, mensch, dem haben die die Suppe aber heiß serviert. Als die Suppe nach fünf Minuten immer noch blubberte und sich dafür definitiv kein Stövchen voller heißer brennender Paste verantwortlich machen ließ, gewann der Topf meine volle Aufmerksamkeit. Ungeachtet seiner Zuschauer, verharrte der Topf in halbrechter Position vor dem ihm zugedachten Gast - neben einer Portion Fenchel und einem Teller dicker Shrimps (die Kombination halte ich persönlich ja für gewagt, aber zumindest in der Hinsicht halte ich die Chinesen für ein sehr kreatives und mitunter sehr mutiges Völkchen). Die Stäbchen des feisten Gastes wanderten geübt durch das kulinarische Diorama und landeten schließlich auch im brodelndem, braunem Sud. Heraus kam ein weiterer Shrimp. Im Unterschied zu seinen zart rosa-braun gerösteten Kollegen auf dem Teller war er jedoch putzmunter (auf jeden Fall war er das auf dem Weg vom Topf bis zum Mund). "Beschwipster Shrimps" heißt dieses - will man es positiv formulieren - doch recht frische Gericht. Dabei wartet eine handvoll Shrimps in einer Boullion mit Schnaps und Sojasauce auf den suchenden und schließlich auch findenden Griff der hölzernen Stäbchen; in der Zwischenzeit gibt es Schnaps - sprichwörtlich bis zum umfallen (naja, umfallen ist bei Shrimps schwierig. Einen Vorteil haben sie dadurch aber nicht - tot bleibt tot).
Natürlich wird auch ein Schwein oder ein Rind geschlachtet (ganz zu schweigen von Hühnern, Gänsen oder Puten) und selbstverständlich mag das ganze sogar noch martialischer ablaufen als das kurze Leben und Sterben eines stierenden Zuchtshrimps (vielleicht liegt es daran, vielleicht sollte der Shrimp mal was an seiner Optik tun. Große Augen wären ein Anfang. Das Nacht zumindest Eindruck). Allerdings ruft das Bild jenes quirligen kleinen Meeresbewohners, bei dem zwischen Leben und nicht mehr Leben nur ein Mund und vier Sekunden liegen, doch massives Unbehagen hervor. War ich froh, dass unser Fleisch grundsätzlich tot und frittiert war.
Neben der Küche haben wir heute auch einen der hiesigen Tempel besucht. Wesentlich weniger kitschig aber darum nicht weniger sehenswert war es vor allem die Tatsache, dass man hier die Schuhe anbehalten durfte, die für den Buddhismus sprach.
Ansonsten ist die Erkältung nach wie vor da und wird wohl auch noch den ein oder anderen Tag die Taschentücher füllen.
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