Dienstag, 8. November 2011

29. Tag

Zurück in Delhi. Der letzte Nachtzug war pünktlich und dank Oropax auch relativ friedlich.

Aus dem Zug ausgestiegen, begrüßte uns der Morgen mit einer Kakophonie aus Kleinkindergeseier, den gut geölten Stimmen der Teeverkäufer und den weniger gut geölten, darum aber nicht weniger munteren Offerten der Rikschafahrer.

Es ist ein bisschen so gewesen, als würde sich der Kreis nun schließen - wenn uns auch noch zwei Tage bleiben. Heute Abend wurde darum zum Angriff auf die Basare geblasen, was in der ersten Runde recht durchschnittlich gut gelang. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier bis aufs Blut gefeilscht und gehandelt wird. Nur unter widerwilligen Gesten nahm der Verkäufer davon Abstand, uns fünf Messingskulpturen von Krishna verkaufen zu können (trotz "best price", "Feierabendrabatt", "Studentenbonus" und "fünf-für-vier-deal" - vier sind vier zuviel, warum dann noch welche extra?). Noch dazu sahen sie aus wie ein Großfamiliensatz Zinnpinökel fürs Bleigießen. Aber auf all das wusste der Mann eine Antwort: für zuhause, als Geschenk (unschlagbare Universalantwort) - Gegenantwort: äh, nein. Doch er wäre kein Verkäufer, wenn er nicht auch in diesem Fahrwasser (für uns saß er da - um in der Metapher zu bleiben - auf einer Sandbank) versucht wäre, den Kunden an die Angel zu bekommen. Seinen nächstes Argument hatte er sich darum gut überlegt, wenn ihm auch unverkennbar ein wenig Verzweiflung innewohnte: "nehmt zehn und ihr bekommt zwei umsonst." Was sollte man sagen. Diese Logik war so messerscharf wie entwaffnend - er ließ einfach nicht locker.

Aber nicht immer hatte er derart wenig Wasser unterm Kiel. Denn lässt man einmal erkennen, dass man Interesse an etwas hat, fangen seine Augen an zu blitzen und er ereifert sich, jede noch so kleine Produkteigenschaft zu preisen. In diesem Fall sollte man eine gute Priese Desintresse parat halten, da sonst der Raum für Verhandlungen eng wird.
Schon alleine die Idee eines Anflugs von Gefallen, auf die der Verkäufer auch schon aus der Stärke des "nicht-ablehnens" zu schließen scheint, gefährdet die Verhandlungsposition.

In dem Sinne bleiben uns jetzt noch zwei lehrreiche Tage.

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