Sonntag, 6. November 2011

27. Tag

Ankunft in Amritsar. Es ergibt sich das gewohnte Bild am Bahnhof: kaum ist man in Sichtweite der Waggontüre gelangt, springen einen die Rikschafahrer an wie läufige Hunde. Deren Penetranz ist so unnachahmlich und bisweilen stärker als das Material aus dem ihr Gefährt gemacht ist (gut, der Vergleich hinkt. Teils müsste es "ursprünglich" heißen). Ein "Nein, danke" wird nicht etwa als das aufgenommen, als welches es durch den Absender (mich) intendiert war (eine Ablehnung), sondern großzügig interpretiert (zum Beispiel: "Ja, vielleicht." oder "Nein, aber frag mich bitte alle 10 Sekunden nochmal, vielleicht ändere ich meine Meinung ja nochmal."). Bringt man der Penetranz genügend Ignoranz entgegen (hier sei eine möglichst starke Sonnenbrille empfohlen), schafft man es bis zur Vorhalle des Bahnhofs und der Spießrutenlauf setzt sich fort. In diesem Fall bis zum Hotel, was recht nahe am Bahnhof liegt. Kein Meter, den wir nicht ohne Begleitung zurücklegten - selbst im Gegenverkehr.

Am Nachmittag haben wir dann aber doch zugeschlagen und mit der Fahrradrikscha eine neue Stufe in der Hierarchie des indischen Verkehrs betreten (Stufen führen ja bekanntlich nicht nur nach oben). Es ist eine sehr direkte Art, mit dem Verkehr in Kontakt zu kommen - oft nicht mehr als eine Hand breit - und erst recht, wenn den Fahrer der Ehrgeiz packt und er auf der rechten Spur der Schnellstraße alles gibt. Ich weiß nicht, ob man das Freude nennt, was man fühlt, wenn die Fahrt dann zuende ist und man in einem Stück mit beiden Beinen auf der Erde steht - es fühlte sich in jedem Fall sehr gut an.

Ein bisschen was zur Stadt: es handelt sich um eine heilige Stadt der Sikh (leicht erkennbar an ihrem Turban, der im Unterschied zum üblichen Turban aber meist sehr eng gewickelt ist. Ihrem Glauben nach müssen sie auch stets ein silbernes Schwert mit sich tragen. Der tägliche Kompromis scheint in einem Buttermesser mit Halfter zu bestehen). Heiligster Bestandteil ist ein goldener Tempel, der als ursprüngliche Wirkungsstätte des Gurus diente. Hier wird gebetet und gewaschen, was das Zeug hält (hätte er damals gewusst, was er da für ne Welle lostritt, hätte er den Tempel vielleicht größer gebaut). Die Warteschlangen für den Hauptschrein sahen so aus wie bei Aldi Samstag um Mittag - mit nur einer besetzten Kasse.

Vielmehr gibt es hier nicht, weshalb wir auch schon morgen weiter nach Delhi fahren.

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