Montag, 31. Oktober 2011

21. Tag

Die Hälfte der Zeit der Reise liegt nun hinter uns, in Indien beginnt sogar schon das letzte Drittel und damit die letzten zehn Tage. Eigentlich ist das ja unwesentlich, aber man merkt schon, wie schnell man sich an vieles gewöhnt oder zumindest gewisse Umstände akzeptiert: zum Beispiel der Verkehr, der eigentlich keiner ist, da "Verkehr" ja etwas Geregeltes suggeriert. Vielmehr müsste man von einem Mahlstrom sprechen, der täglich durch die Stadt bricht und sich seinen Weg bahnt. Das Leben läuft in Indien auf der Straße ab. Hier gibt es alles: Essen und Hunger, Kleidung und Elend, Neid und Leid - alles nur wenige Schritte von einander entfernt, wenn überhaupt.

Oder die Religion. Im Prinzip gibt es den Hinduismus, ja, aber auch wieder nicht wirklich DEN Hinduismus im Sinne von "dem einen Hinduismus". Hier darf wirklich jeder fröhlich drauf losglauben, die Jainisten, die Sikhs, die Zarathustra, aber auch die Muslime, Christen und Juden. Und das ganze relativ ungestört, wer hätte das gedacht?

Obendrein mündet alles in ungeheuren Kitsch. Keine Farbkombination zu schräg, kein Auto ohne Lametta und Bommeln, kaum ein Gottesabbild, das nicht mit Staniolpapier umwickelt, mit pinken und grünen blinkenden Lichterketten versehen und von orangen Blumen gekrönt ist. Selbst der best dekorierteste Weihnachtsbaum würde hier untergehen im Glanz von Chrom, Leuchtreklame und Saris.

In dem Sinne haben wir den Tag genutzt um nichts zu tun - die obligatorische Stadttour (zwei Tempel, ein Shop) zählt hier mal nicht, dass sind generell Kaffeefahrten. Statt Heizdecken bekommt man hier halt Teppiche, Marmor oder Teppiche angeboten (die Frage, warum man uns 5 Meter lange Teppiche anbietet blieb unbeantwortet - passt ja in jedes Handgepäck. Allerdings war man vorbereitet: es gab sie auch im Format von 5cm als ultrahübsche Glasuntersetzer oder als Geschenk für geschmacksfreie Verwandte und Freunde zuhause).

Ein Gruß aus dem Hotelzimmer!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen