Dienstag, 22. November 2011
Montag, 21. November 2011
Ankunft in London
Sonntag, 20. November 2011
41. Tag
So verbummelten wir den Tag - der letzte Tag vor dem Abflug. Die Reise geht heute zu Ende. Erst jetzt merkt man, wie lang die Strecke ist, die man zurückgelegt hat. Indien scheint schon ein ganzes Stück weit weg und an die Stäbchen beim Essen haben wir uns gerade erst gewöhnt.
Jetzt heißt es packen und Abschied nehmen - nach nunmehr anderthalb Monaten Rumtreiberei.
Vieles werden wir in Erinnerung behalten und vieles wird auch vergessen werden. Aber im Moment freuen wir uns auf die Heimat (und ich persönlich auf Graubrot mit Käse) und auf ein Wiedersehen mit euch. Bis dahin alles Gute - Eva und Julian
40. Tag
Nachdem wir zunächst meinen auf den Leib geschneiderten Mantel abgeholt hatten (vorausschauend wie die Chinesen sind, hatten sie an den entscheidenden Stellen noch ein wenig Luft gelassen), konnte es losgehen. Wir setzten uns also in die Metro und fuhren zum Japaner (in China. Der zudem nur von Chinesen betrieben wurde. Aber gut, man soll hier ja nicht alles auf die Goldwaage legen). Tepanjaki - kein einzelnes Gericht, sondern ein all-you-can-eat-and-drink stand auf dem Speiseplan. Vom marinierten Rinderfilet über Sushi bis zur flambierten Banane (von der Größe der Flamme hätte es auch ein flambiertes Gnu sein können) war alles dabei. Auch dabei war aber dann noch chinesisches Bier, chinesischer spanischer Wein (er schmeckte in der Tat so, wie er sich anhört) und Sake. Ich weiß also nicht mehr genau, ob der unruhige Magen nun durch die mit Käse überbackene Muschel oder den lauwarmen Reisschnaps verursacht ist.
Freitag, 18. November 2011
39. Tag
Nun ist dies bei weitem nicht die einzige gewöhnungsbedürftige Gewohnheit der Chinesen (oder zumindest der Shanghaier Chinesen). Gerne wird bei Tisch geraucht und telefoniert. In Kombination nicht selten zulasten des Essens vom Tischnachbarn. Wird es zu warm, darf auch gerne mal ein bisschen Luft gemacht werden. So trifft man ab und zu einen nackten Chinesen im Restaurant - der raucht und telefoniert.
Wohlgemerkt, der Chinese liebt das Essen und es ist zudem fast alles frisch und von Hand gemacht (auf die Hand bzw. die Hände wird hier stark geachtet. Es gibt sogar ein Scoring-System für die Hygiene der Restaurants).
So. Aber genug der Esskultur. Wir starten nun in unser letztes Wochenende und senden viele Grüße aus Shanghai - Zaijian!
Donnerstag, 17. November 2011
38. Tag
Beste Grundlage also für einen fast schon deutschen Herbsttag. Wäre da nicht der Schweiß in der Hose gewesen.
Die ganze Station schniefte und hustete so heute von Cafe zu Cafe - in der Hoffnung auf ein besseres Morgen.
Mittwoch, 16. November 2011
37. Tag
Natürlich wird auch ein Schwein oder ein Rind geschlachtet (ganz zu schweigen von Hühnern, Gänsen oder Puten) und selbstverständlich mag das ganze sogar noch martialischer ablaufen als das kurze Leben und Sterben eines stierenden Zuchtshrimps (vielleicht liegt es daran, vielleicht sollte der Shrimp mal was an seiner Optik tun. Große Augen wären ein Anfang. Das Nacht zumindest Eindruck). Allerdings ruft das Bild jenes quirligen kleinen Meeresbewohners, bei dem zwischen Leben und nicht mehr Leben nur ein Mund und vier Sekunden liegen, doch massives Unbehagen hervor. War ich froh, dass unser Fleisch grundsätzlich tot und frittiert war.
Neben der Küche haben wir heute auch einen der hiesigen Tempel besucht. Wesentlich weniger kitschig aber darum nicht weniger sehenswert war es vor allem die Tatsache, dass man hier die Schuhe anbehalten durfte, die für den Buddhismus sprach.
Ansonsten ist die Erkältung nach wie vor da und wird wohl auch noch den ein oder anderen Tag die Taschentücher füllen.
Dienstag, 15. November 2011
36. Tag
Doch gerade der Pudel zeigt, wie gut das alles zusammenpasst. Die Socken. Die Schuhe. Das Mäntelchen. Der Pudel.
Aber es glitzert und blinkt und sieht toll aus - insbesondere bei Nacht. Alle Gebäude an der Prachtstraße leuchten, ach, die ganze Straße ist illuminiert. Selbst die Bäume und Grasflächen, die Brücken und Kreuzungen. Ja, sogar der Asphalt scheint zu schimmern.
Von der Bar Rouge konnte man dann das ganze Panorama bewundern: eine Stadt die niemals schläft - und wenn, dann vergisst sie zumindest regelmäßig, das Licht auszumachen.
Übrigens: nachdem das Stäbchenessen mich anfangs daran hinderte, mich an dem leckeren Gerichten regelmäßig zu überfressen (zumindest ohne die Hälfte auf Kleidung, Tisch und im Getränk zu verlieren), funktioniert es nun immer besser, das Stäbchenessen.
Indessen hält sich die Erkältung hartnäckig. Bei Eva scheint sie sogar noch einmal richtig um sich zu schlagen.
Montag, 14. November 2011
35. Tag
Shanghai selbst sieht aus wie geleckt. Kein Müll, keine Obdachlosen, keine Tiere auf der Straße und schon gar nicht im Verkehr. Betritt man den wohl bekanntesten Teil der Stadt - Pudong -, ahnt man, woran das liegen könnte. Kaum ein Gebäude ist älter als zwanzig Jahre - und kleiner als der Kölner Dom. Wir mussten demzufolge darauf achten, die Kinnlade zwischenzeitlich auch mal wieder hochzuklappen, um mitsamt der laufenden Nase nicht wie völlig grenzdebile Westeuropäer zu wirken.
Dabei bietet Shanghai tatsächlich bauliche Superlative. Dazu gehören neben den Wolkenkratzern auch das U-Bahn- und Straßennetz. Nicht selten gibt es hier Autobahnbrücken über Autobahnbrücken über Autobahnbrücken und das ganze auch noch achtspurig.
Nach Indien ist dies ein eher unerwartetes Kontrastprogramm. Der Verkehr läuft wie man sich vorstellt, dass ein Verkehr laufen sollte (die rote Ampel wird also nur mitgenommen, wenn kein Verkehrspolizist anwesend ist und die Straße hinreichend frei ist. Wobei "frei" selten "leer" bedeutet), der Müll wird nicht mitten in der Stadt in kleinen Haufen verbrannt (wahrscheinlich ist es ein großer Haufen - bei 22 Millionen Einwohnern vielleicht auch zwei oder drei - und wahrscheinlich befindet er sich auch außerhalb der Stadt. Relativ sicher wird er aber auch hier zum größten Teil verbrannt) und nicht jeder, der einen angrinst will Geld oder ist ein Kind (auch hier ist der Anteil noch recht hoch. Man schafft es aber auch durchaus hundert Meter zu Fuß ohne Bauchladenbesitzer).
Bilder
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Trotz momentanem Invalidenstatus haben wi unser bestes gegeben, ansprehnde Motive zu sein und den Hintergrund als das darzustellen, was er in erster Linie sein sollte, nämlich Hintergrund.
Sonntag, 13. November 2011
34. Tag
Nun zu heute: in Shanghai gibt es Schneider, die so ziemlich alles schneidern, was sich mit Nadel und Faden zusammenbringen lässt - und das zu Preisen, die jeden Einkauf bei Aldi zum Boutiquen-Besuch werden lassen. Ein Wintermantel sollte es sein. Auf den Leib geschmiedet.
Die Auswahl war dabei fast so groß, wie die Schwierigkeit, zu handeln. Aber da Burkhard mittlerweile ein mehr als leidlich gutes chinesisch spricht, ist der Anfang schnell gemacht (die Sprache hört sich immer an, als würden die Leute mit einer heißen Kartoffel im Mund durch einen Ventilator sprechen. Bei einem englisch sprechenden Chinesen ist der Ventilator weg. Die Kartoffel scheint allerdings größer zu werden). Keine halbe Stunde später ist der Mantel in Auftrag gegeben. Das Ergebnis gibt es dann nächsten Samstag.
Ansonsten war der Tag eher ruhig und wir haben ihn mit Tee und Mucolsolvan-Saft verbracht, da die Erkältung wohl doch nicht weg war, sondern nur hinter der nächsten Ecke in der Klimaanlage gewartet hat.
Samstag, 12. November 2011
Tag 33
Da wir noch etwas warme Kleidung brauchten, ging es nach einem kurzen Aufenthalt bei der Polizei (wo ein Pikachu in Uniform erneut die Pässe kontrollierte - und uns letztendlich unseren Aufenthalt genehmigte) zum Markt. Neben Kleidung von Deisel, Abicas und Ray Bo erinnerte hier vieles an die Basare von Indien, vor allem das Handeln. Ähnlich wie dort wurde hier mit allem argumentiert, was gerade noch Sinn machte (im ersten Geschäft sah es kurz danach aus, als wollte der Verkäufer weinen, schlagen und fluchen gleichzeitig - ein gutes Zeichen, dass man nahe am richtigen Preis ist, wenn auch sehr theatralisch und hier fast beängstigend). Dabei bringt einem jeder Schritt zur Ladentür ungefähr zehn Prozent näher zum Wunschpreis. Ein Vorteil, den man in Indien nicht hatte - es gab schließlich keine Tür. Natürlich hängt damit der Verhandlungsspielraum in einem kritischen Verhältnis von der Entfernung zur Ladentür ab - wenn einem sonst kein Argument blieb.
Das Abendessen erforderte dann volle Konzentration. Stäbchen. Bei den Chinesen sieht das so elegant aus. Bei mir sorgt es nur für zahlreiche Flecken auf der Tischdecke und ebensovielen schmunzelnden Kellnern. Doch das Spektakel fand seinen Höhepunkt im Akt puren Mitleids durch einen Kellner, als Eva versuchte, Fleisch mit Stäbchen zu - naja, wie will man es nennen - schneiden. Er brachte uns Messer und Gabel (danke Herr Kellner, ein scharfes Stäbchen hätte es auch getan). Umso beharrlicher wurde das Schnitzel mit dem Stäbchen bearbeitet und - irgendwie - in zwei Teile gebracht. Man darf sich nun selber ausmalen, wie lange es dauern kann, bis da der letzte Bissen im Mund ist. Warm ist der nicht mehr.
Freitag, 11. November 2011
32. Tag - Shanghai
Und wieder ist alles anders. Die Menschen, die Stadt, das Wetter. Keine 30 Grad mehr, dafür weniger Gehupe und Gestank.
Nachdem Burkhard uns vom Flughafen abgeholt und zu seiner Wohnung gebracht hatte, ging es, nach einem kleinen Nickerchen (in dem Fall lässt sich wohl eher von Koma sprechen - die Beinfreiheit im Flugzeug war echt begrenzt und der Kichererbsensalat um halb vier morgens zum Frühstück hat die Sache nicht gerade angenehmer gemacht. Nicht nur für mich) zum Essen.
Essen mit Stäbchen. Das ist, als würde man einen Computer nur mit der Maus bedienen. Es geht - das aber nicht wirklich gut. Man ist halt an die Tastatur gewöhnt oder in diesem Fall an ein Messer.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und einem mittelschweren Krampf in der rechten Hand lief es dann einigermaßen. Zumindest fand der ein oder andere Bissen seinen Weg - es ist halt ein bisschen so wie beim Mikado.
Man hofft und hofft und hofft - es bewegt sich nichts - und dann, ganz zuletzt, liegt die Nudel dann doch wieder in der Soße.
Donnerstag, 10. November 2011
31. Tag
Der Monat ging schnell rum und ich denke, es dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass wir viel erlebt haben. Dazu gehört nicht nur die schöne Landschaft, der Ritt auf dem Kamel oder der Blick aufs Taj Mahal. Dazu gehören auch oder gerade vor allem die Eindrücke zwischen den Zeilen: der Rikschafahrer im Rinnstein, die Kartoffeln im Reis oder auch der Kärcher auf dem Klo (Papier ist hier eine Seltenheit und wenn überhaupt nur einlagig und unstrukturiert). Es ist nicht der einzelne Eindruck, der das Bild - mein Bild - von Indien zeichnet. Es ist vielmehr ein Mosaik, nein, ein Poutpurri aus einzelnen Teilen. In der Beschreibung läuft man also Gefahr, vieles zu Unterschlagen; ganz zu schweigen von dem was man nicht beschreiben kann (U-Bahn fahren in Delhi, Multifruchtmarmelade und der Kanon aus dem Rachen verschnupfter Inder - da wünscht man sich einen besonders lauten penetranten Rikschafahrer). Um es kurz zu sagen, es fehlt der kulturelle Kontext, der sich durch die Vorbelastung in Form des westlichen Kulturgutes nur nach und nach erschließt. Ich will damit nicht sagen, dass wir diesen nun begriffen hätten und schon gar nicht, dass ich oder wir ihn unheimlich schön finden würden (schön im Sinne von "hübsch", nicht schön im Sinne von "interessant"). Allerdings will ich sagen, dass es sich lohnt, sich eine Reise hierhin einmal an zu tun, sei es wegen der Menschen, der Kultur oder der Landschaft - Indien hat tausende Gesichter. Deshalb werden auch wir wiederkommen.
Auf Wiedersehen, Delhi, auf Wiedersehen Indien. Dhanyavad, oh, nein, ich meinte Shukriya!
Mittwoch, 9. November 2011
30. Tag
Anders als auf den Basaren ist der gemeine Verkäufer hier weniger aufdringlich (gibt es passive Aufdringlichkeit?). Was aber mitunter auch so verstanden werden könnte, als wollte er gar keine Kunden im Laden, sondern sein Revier durch unverblümtes starren und beharrliches hinterherhuschen von selbigen rein halten.
An der Kasse scheint sich dann der scheinbare Personalüberschuss zu erklären: hinter der Kasse steht ein Dutzend Verkäufer, die damit beschäftigt sind, bei einer Frau zu kassieren. Eva versucht es an einer freien Kasse, woraufhin sie gebeten wird, sich in der Reihe anzustellen (kurz zur Arbeitsteilung: einer kassiert, einer packt ein und zehn Leute gucken zu. Ein ähnliches Spiel ergab sich später bei Mcs. Entweder handelt es sich hier also um eine Ausbildungsoffensive oder es gibt dort auch sowas wie "nimm-fünf-zahl-vier"). Gemacht getan, und zehn Minuten später war sie dann auch dran.
Jetzt sind wir wieder im Hotel und beginnen damit, die Koffer zu packen. Morgen beginnt dann der letzte Tag in Indien - bevor es dann weiter nach China geht.
Dienstag, 8. November 2011
29. Tag
Aus dem Zug ausgestiegen, begrüßte uns der Morgen mit einer Kakophonie aus Kleinkindergeseier, den gut geölten Stimmen der Teeverkäufer und den weniger gut geölten, darum aber nicht weniger munteren Offerten der Rikschafahrer.
Es ist ein bisschen so gewesen, als würde sich der Kreis nun schließen - wenn uns auch noch zwei Tage bleiben. Heute Abend wurde darum zum Angriff auf die Basare geblasen, was in der ersten Runde recht durchschnittlich gut gelang. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier bis aufs Blut gefeilscht und gehandelt wird. Nur unter widerwilligen Gesten nahm der Verkäufer davon Abstand, uns fünf Messingskulpturen von Krishna verkaufen zu können (trotz "best price", "Feierabendrabatt", "Studentenbonus" und "fünf-für-vier-deal" - vier sind vier zuviel, warum dann noch welche extra?). Noch dazu sahen sie aus wie ein Großfamiliensatz Zinnpinökel fürs Bleigießen. Aber auf all das wusste der Mann eine Antwort: für zuhause, als Geschenk (unschlagbare Universalantwort) - Gegenantwort: äh, nein. Doch er wäre kein Verkäufer, wenn er nicht auch in diesem Fahrwasser (für uns saß er da - um in der Metapher zu bleiben - auf einer Sandbank) versucht wäre, den Kunden an die Angel zu bekommen. Seinen nächstes Argument hatte er sich darum gut überlegt, wenn ihm auch unverkennbar ein wenig Verzweiflung innewohnte: "nehmt zehn und ihr bekommt zwei umsonst." Was sollte man sagen. Diese Logik war so messerscharf wie entwaffnend - er ließ einfach nicht locker.
Aber nicht immer hatte er derart wenig Wasser unterm Kiel. Denn lässt man einmal erkennen, dass man Interesse an etwas hat, fangen seine Augen an zu blitzen und er ereifert sich, jede noch so kleine Produkteigenschaft zu preisen. In diesem Fall sollte man eine gute Priese Desintresse parat halten, da sonst der Raum für Verhandlungen eng wird.
Schon alleine die Idee eines Anflugs von Gefallen, auf die der Verkäufer auch schon aus der Stärke des "nicht-ablehnens" zu schließen scheint, gefährdet die Verhandlungsposition.
In dem Sinne bleiben uns jetzt noch zwei lehrreiche Tage.
Montag, 7. November 2011
28. Tag
Im Restaurant angekommen begrüßte uns zuerst der Turban tragende Türsteher (die Turbane der Sikhs sind großartig. Sie verleihen einem automatisch mehr Würde. Egal was der Träger tut - Fenster putzen, Türen halten, lächeln - alles erhält sogleich eine Portion mehr Grazie, wenn man es mit Turban tut). Das Ambiente war wirklich schön, so schön, dass man bemüht war, die Nasen der Gäste alle paar Minuten mit einer ordentlichen Ladung Raumdufterfrischer im Ventilator bei Laune zu halten (für mich eine Spur zu überambitioniert). Der nationale Teil der Karte wurde denn großzügig überflogen - Spaghetti Bolognese und russischer Salat sollten es sein. Zumindest die im Fleischsoßen-See schwimmenden Nudelstummel ließen die Intention des Maître de Cuisine erkennen - anders beim Salat. Hier erinnerten nur bunte Punkte daran, dass der Berg Mayonnaise nicht alleine auf dem Teller war, sondern, wenn nicht Smarties, so doch wenigstens stückweise kleine Gemüseschnipsel in ihm lungerten (mhm, "wabberten" trifft es eher).
Aber wir hatten schon schlimmeres gesehen (und außerdem Hunger) und nahmen die Herausforderung an. Hätten wir besser nicht. Neben den am Ende doch gesalzenen Preisen suchte der russische Salat den kürzesten Weg nach draußen. Er fand ihn relativ schnell und handelte entschlossen. Die Bolognese ließ sich damit noch ein bisschen Zeit und forderte von Eva erst mitten in der Nacht Genugtuung, die sich dann bis in den Nachmittag hinein zog.
Der Ausblick des Tages beschränkte sich so im wesentlichen auf die Zimmerdecke und sämtliche Keramik. Es kann nur besser werden - morgen, in Delhi.
Sonntag, 6. November 2011
27. Tag
Am Nachmittag haben wir dann aber doch zugeschlagen und mit der Fahrradrikscha eine neue Stufe in der Hierarchie des indischen Verkehrs betreten (Stufen führen ja bekanntlich nicht nur nach oben). Es ist eine sehr direkte Art, mit dem Verkehr in Kontakt zu kommen - oft nicht mehr als eine Hand breit - und erst recht, wenn den Fahrer der Ehrgeiz packt und er auf der rechten Spur der Schnellstraße alles gibt. Ich weiß nicht, ob man das Freude nennt, was man fühlt, wenn die Fahrt dann zuende ist und man in einem Stück mit beiden Beinen auf der Erde steht - es fühlte sich in jedem Fall sehr gut an.
Ein bisschen was zur Stadt: es handelt sich um eine heilige Stadt der Sikh (leicht erkennbar an ihrem Turban, der im Unterschied zum üblichen Turban aber meist sehr eng gewickelt ist. Ihrem Glauben nach müssen sie auch stets ein silbernes Schwert mit sich tragen. Der tägliche Kompromis scheint in einem Buttermesser mit Halfter zu bestehen). Heiligster Bestandteil ist ein goldener Tempel, der als ursprüngliche Wirkungsstätte des Gurus diente. Hier wird gebetet und gewaschen, was das Zeug hält (hätte er damals gewusst, was er da für ne Welle lostritt, hätte er den Tempel vielleicht größer gebaut). Die Warteschlangen für den Hauptschrein sahen so aus wie bei Aldi Samstag um Mittag - mit nur einer besetzten Kasse.
Vielmehr gibt es hier nicht, weshalb wir auch schon morgen weiter nach Delhi fahren.
Samstag, 5. November 2011
26. Tag
Neben den Brücken gibt es noch das Yoga, ach was, die Yogen in Rishikesh. Jede noch so blanke Stelle in der Stadt wird benutzt, um Werbung für die wirklich verschiedensten Arten von Yoga zu machen. Das hat zur Folge, dass Rishikesh - als selbsternannte Hauptstadt des Yoga - enorme Massen an Menschen anzieht. Vorzugsweise westliche Touristen. Leicht erkennbar an seiner Tracht (lange Haare, Frauen oft auch sehr kurz. Pluderhose, langes, nach vorne hin offenes Hemd, dass das oft ergraute Brusthaar voll zur Geltung kommen lässt und mindestens Halskette), die zwar irgendwie alternativ wirken soll, mit den Indern selber aber wenig zu tun hat.
Gerne hätten wir selber einmal die Kraft des Yoga erlebt. Leider reicht ein Tag hierfür jedoch nicht und wir haben so den anderen beim Yoga machen am Strand zugeschaut (bisweilen sehr unterhaltsam. Es ist den Leuten zu wünschen, dass sie von dem Ganzen auch etwas haben).
Jetzt sind wir wieder unterwegs. Nach Amritsar, der letzten Station, bevor es wieder nach Delhi geht.
Freitag, 4. November 2011
25. Tag
Nach der dritten Tasse ging es dann auch gleich besser - fast schon zu gut. Zumindest meinem Kopf.
Man muss dazu wissen, dass die meisten hier auf Instant-Kaffee stehen (wenn's nicht grade Chai ist). Eine leicht braune Brühe, die nur eins mit Kaffee gemeinsam hat: sie wird heiß serviert. Ansonsten schmeckt es so wie es riecht und aussieht - nicht gesund. Entsprechend berauscht habe ich mich an dem Bohnensud (obwohl der indische Tee zeitweise zur ernsthaften Alternative avancierte). Eva mag beides nicht so ganz so gerne (deshalb Tasse Nummer drei - mein persönliches Koffeinmassaker).
Donnerstag, 3. November 2011
Neue alte Bilder
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Die alten Bilder gibt es immer noch, allerdings unter dem alten Link:
https://picasaweb.google.com/116301340172029582707/IndienDelhiErsteTage?authuser=0&authkey=Gv1sRgCPyZ7a3Ir7L2EA&feat=directlink
24. Tag
Das Ergebnis war ein Tagesausflug an einen Ort mit dem klangvollen Namen "Chilla". Mitten im Naturschutzpark gelegen, machte er seinem Namen alle Ehre und lud - abseits von Smog und großer Stadt - zu einer weiteren Safari im Grünen ein.
Erstmal mussten wir aber warten. Drei Stunden. Nachdem wir fast schon davon ausgegangen waren, dass der Revierkampf zwischen einem Rudel Affen und einem Hotelbesitzer den ergreifendsten Moment des Tages ausmachen würde, ging es los. Entlang des Gangeskanals in den Dschungel. Und da waren sie: grüne Hügel im sanften Nebel - wie aus der Kaffeewerbung. Mit dem Unterschied, dass hier Cannabis und Minze statt Arabica-Bohne gedeiht. Dazwischen Pfauen, Eisvögel und Affen.
Der inhaltliche Höhepunkt korrellierte mit dem physikalischen und befand sich auf einem Berg in bzw. um einen Tempel. Dort wohnten drei Hindumönche, sogenannte "Babas". Neben einem fantastischen Ausblick über die umliegenden Täler hatten sie hier auch noch ausgezeichneten Tee. Es war einer der Momente, wo man wirklich denkt, "boah, richtig schön hier", einer der Momente, wo man alle Aufregung, alles Elend und alle Unannehmlichkeiten vergisst und sich einfach nur freut, hierhin gekommen zu sein.
Am Ende gab es dann sogar Elefanten. Groß und grau und vor allem in echt.
Mittwoch, 2. November 2011
23. Tag
Für uns ging es jedoch erst einmal den Berg hinauf. Bis kurz vor dem Tempel. Kurz vor der hier-musst-du-deine-Schuhe-ausziehen Phase. Dann haben wir umgedreht und sind wieder runter. Da hat der Inder schön doof geguckt. Aber wir haben auch geguckt, nämlich ins Tal und auf die Stadt. Mit Tempeln ist es nämlich langsam vorbei. Erstens wurden die 15 Milliarden schon gefunden, zweitens sehen sie grundsätzlich verdammt ähnlich aus und drittens wird man dort als Tourist meist ausgezogen. Hier Eintritt, da eine Spende, der rote Punkt für 1.000 Rupien (was mich zu Spekulationen über die Herkunft von dem Vermögen unter erstens führt). Das Programm gilt aber nur für (nicht-indische) Touristen. Die Inder selbst - egal welcher Klasse und Herkunft - sind davon ausgenommen.
Aber gut. Man muss ja nicht reingehen.
Am Abend folgte dann das nächste Spektakel: auf dem Ganges wurden kleine Schiffchen aus Blättern ausgesetzt. Darin Kerzen. Dazu wurde gerungen.
Eins muss man den Indern lassen, wenn es um Stimmung und Party geht, sind sie die letzten, die in der Ecke stehen.
Dienstag, 1. November 2011
22. Tag
Am morgen ging es dann los. Unser Transit zum Bahnhof stecke im Verkehr fest. Er sei aber in knappen anderthalb Stunden da, wir sollten uns also keine Sorgen machen. Gut, solange der Zugführer auch mit von der Partie war und er nichts dagegen hatte, eine halbe Stunde auf uns zu warten, hätte es auch keinen Grund zur Sorge gegeben. Da die Kommunikation in diesem Punkt aber weit hinter der Beschreibung "dürftig" zurück lag, wurde gehandelt, anstatt auf die stete Pünktlichkeit oder - positiv formuliert - die passive Kulanz der Bahn zu vertrauen.
Wir quetschten uns also in eine Motorrikscha, zahlten trotz Handeln einen viel zu hohen Preis, waren dafür aber pünktlich am Bahnhof, genauso wie unser Zug.
Nachdem wir uns eingerichtet hatten (mit uns im Abteil: eine Inderin, eine Maus "süß", eine ungezählte Anzahl an Kleintieren von Ameise bis walnuss-große Schabe "Iieeh!"), ging es daran die Zeit zu überbrücken. Obwohl der Wagen für eine Nachtfahrt recht komfortabel ist, fühlt man sich am Tag wie in Beugehaft. Die Fenster lassen nur den Umstand erkennen, ob es draußen hell oder dunkel ist, ansonsten durchflutet Neonlicht das Abteil. Bewegen ist auch nicht groß drin, da die Abteile recht eng geschnitten sind und am Anfang und Ende des Waggons die Toilette ein unglaubliches olfaktorisches Erlebnis bietet, das mit der Zeit nur intensiver, aber keinesfalls besser wird.
Nach fünf Stunden und dem gesamten (anteiligen, na vielleicht auch ein bisschen mehr) Keksvorrat, führte die "fast" ruckelfreie Fahrt (da nehmen sich Schiene und Straße fast nichts, nur dass der Zug nicht entsprechend langsamer fährt) dann zu einer ausgedehnten Übelkeit, die ich, während zumindest Eva schlafen konnte, ausgiebig zelebrierte - mit noch mehr Keksen. Das Ergebnis ähnelte dem Zustand der Toilette: es wurde nicht besser, nur ungleich intensiver.
Am Ende war ich froh, dass der Zug das Ziel pünktlich um 5 Uhr erreichte.









































