Entspannte sechs Stunden Autofahrt später haben wir soeben Jaisalmer erreicht. Weniger unterbrochen durch Kühe, denn als durch Verlagerungen indischer Militär-Kamele. Jaisalmer ist eine Wüstenstadt und lebt von Tourismus, Militär und Kamelen. Der Nachteil ist, dass man hier als Tourist nicht alleine vor die Tür gehen kann, ohne gleich von einer Traube einheimischer Kinder umringt zu werden. Das ganze wäre nicht so tragisch, würden diese einen nicht mit "Heinrich" und "Wolfgang" anrufen und für kleiner Geld eine Führung durch die Stadt anbieten. Zahlt man allerdings einem den mageren Lohn, so hätte dieser mehr Mühe, die anderen Kinder vom hofieren und betteln abzuhalten, als Zeit, uns die Stadt zu zeigen. Einmal mehr zeigt sich dabei die ungleiche Entwicklung in der indischen Bevölkerung. Während besonders in großen Städten viele gut betuchte Inder deutsche Limousinen auf Einfahrten parken, wo hinter Zäunen der große Pool aus italienischen Marmor lockt, hat der Nachbar vielleicht gerade mal ein Hemd und genug Hose, um seine Beine damit zu bedecken.
An dieser Stelle ist vielleicht auch ein guter Zeitpunkt, um unseren Fahrer vorzustellen. Eigentlich sind es zwei, aber der zweite sagt nichts zu uns, da er kein englisch kann, außer "My friends". Wir haben daher nun leider auch seinen Namen vergessen. Auch würde ich fast eher von freiwillig unfreiwilligen Mitreisenden sprechen, da sie vor bis zum 29.10. begleiten bzw. mit ihrem Tata durchs Land fahren. Meenoj - so heißt der Fahrer - ist 25 Jahre alt, arbeitet seit 9 Monaten bei der Reiseagentur und hat 7 Geschwister. Er selber ist schon seit 10 Jahren verheiratet (Zitat Meenoj: "One life, one wife") und hat zwei Kinder, die 5 und 7 Jahre alt sind. Laut Meenoj ist das Leben hier für ihn recht langweilig, da er ständig 14-tägige Routen fährt und nur alle drei Monate ein bisschen mehr Zeit für seine Familie hat, bei welcher Gelegenheit seine Frau ihm wohl zuerst sämtliche zu zahlende Rechnungen vorlegt. Dafür hat die Frau in Indien wenig zu melden. Obwohl sie nicht schlecht behandelt wird, hängt ihr Lebensweg stets von der Familie ab. Auch Eva erfährt schiefe Blicke, wenn sie bezahlt, sie jemanden anspricht, wenn ich dabei stehe oder wenn sie im Restaurant bestellt.
Meenoj war erstaunt davon zu erfahren, dass wir noch nicht verheiratet sind und ich noch kein Haus habe. Dass die indische "Vorgehensweise" bei der Ehe in unserem Kulturkreis eher als Kinderhochzeit im Rahmen einer Zwangsheirat bezeichnet würde, haben wir für uns behalten.
Letztlich sind wir aber sehr froh, unseren Meenoj zu haben und freuen uns, dass er uns noch bis zum Ende des Monats begleiten wird bzw. muss.
Indes warten wir nun in unserem goldenen Käfig auf morgen und der für mittags angesetzten Kamel-Safari.